Das Kind des Führers


Die Engländer lieben den wohligen Schauer des Gruselns. Geschichten um Adolf Hitler und seine Nazi-Riege haben noch immer Hochkonjunktur auf der Insel. Nun melden die englischen Medien, dass Hitler ein Kind hatte – von einer Engländerin. Eine Val Hann, deren Tante in den dreißiger und vierziger Jahren eine private Entbindungsklinik leitete, behauptet, die Tante habe ihr erzählt, dass Unity Mitford bei ihr „das Kind des Führers“ zur Welt gebracht habe. Es sei sofort zur Adoption freigegeben worden und lebe heute irgendwo in Großbritannien.

Unity Mitford war die Tochter des Oberhauslords Baron Redesdale. Ihre Mutter soll ausgerechnet in der Ortschaft Swastika – „Hakenkreuz“ – in Ontario, wo die Familie mehrere Minen besaß, mit ihr schwanger geworden sein. Die Mitfords waren selbst für englische Verhältnisse eine exzentrische Familie. Redesdale und seine Frau waren Anhänger der britischen Faschisten. Unitys ältere Schwester Diana, die 1932 zur „Miss England“ gewählt wurde, war in erster Ehe mit dem Brauereierben Bryan Walter Guinness verheiratet, ließ sich scheiden und wurde in der Villa des Nazi-Propagandaministers Joseph Goebbels in Berlin mit dem britischen Nazichef Oswald Mosley getraut. Ihre jüngere Schwester Jessica wurde Kommunistin und kämpfte im spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner. Die jüngste Schwester Deborah, eine Schriftstellerin, heiratete Harold Macmillans Neffen, den Herzog von Devonshire. Ihr Schwager war mit einer Schwester John F. Kennedys verheiratet. Die vierte Schwester, Nancy Mitford, wurde als Schriftstellerin bekannt. Ihr Buch „Englische Liebschaften“ erschien in der Anderen Bibliothek bei Greno.


Unity Mitford war gerade erst 20, als sie 1934 nach München ging, um Hitler kennen zu lernen. Sie setzte sich Abend für Abend in die Osteria, Hitlers Lieblingslokal, und starrte ihn so lange an, bis er sie schließlich an seinen Tisch bat. Die 1,80 Meter große, blonde und blauäugige Frau entsprach ganz dem Idealbild der Nazis. Schon bald war sie ständiger Ehrengast bei Parteiveranstaltungen, sie begleitete Hitler stets auf Reisen, was ihr den Spitznamen „Unity Mitfahrt“ einbrachte. Eva Braun notierte 1935 verbittert in ihrem Tagebuch, dass Mitford bei vielen Parteigenossen schon als künftige „First Lady“ galt.


Nach der Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland schrieb sie Hitler einen Abschiedsbrief und erklärte ihm, dass sie solch eine Tragödie nicht erleben wolle. Im Englischen Garten in München schoss sie sich zwei Kugeln in den Kopf, überlebte jedoch. Hitler besuchte sie im Krankenhaus und ließ sie nach England überführen. Sie wohnte bei ihrer Mutter in den Cotswolds, bis sie 1948 an den Spätfolgen des Selbstmordversuchs starb. Die englischen Medien werden nun alles dransetzen, um ihr angebliches Kind zu finden.


 

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