Vorwort „Irish Toffee“


  Am allermeisten habe ich ihn, glaube ich, geliebt, als er mich dringlich, mit urinfarbenen Augäpfeln quasi, in der S-Bahn musterte und gepresst fragte: "Sag mal, musst du auch so dringend pissen?" Ich, älter, aber jünger wirkend, sagte nichts, weil ich, etwa viermal so alt wie er (aber etwa viermal so jung wirkend), etwa viermal so nötig musste wie er, was bei mir hieß: "Nächste Station; egal, was sich uns in den Weg stellt."

"Ächz". Zip. Zip. „Un nu die Fraare: Wo füllnwa nach?"

  Neulich bin ich von Frankfurt/Main Hauptbahnhof nach Hanau gefahren, wieder mit Öffis, umgeben von Eintracht-Fans, die ihre Niederlage feierten, und an der Station Offenbach Ledermuseum trieb es mich aber dermaßen hinaus, dass ich dachte: „Ach, Ralle." Dass ich Irland liebe, habe ich ihm nicht zu verdanken. Dass ich Berlin liebe, durchaus. Ralle blickt mit Kinderaugen in die Welt, und dass er auch Kinderohren hat, die alles hören, was die Erwachsenen vor ihnen verbergen wollen, merkt man erst, wenn man seine Kolumne in der taz liest. Einmal habe ich ihn aber doch ausgeschlenzt. „Ach?“ sagte ich, „deine Kolumne erscheint jeden Montag? Und ich hatte immer angenommen, sie erschiene regelmäßig.“

Harry Rowohlt (Ambassador of lrish Whiskey 1996)

 

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